Alphabetisierung von funktionalen Analphabeten in Dresden

Lesen und Schreiben lernen an der DIU

Lesen und Schreiben – zwei Dinge, die für viele ein unabdingbares Werkzeug für reibungslose Kommunikation im Alltag darstellen. In vielen Lebenslagen ist es unausweichlich, lesen und schreiben zu können. Sie sind wichtiges Hilfsmittel zur Bewältigung von Problemlagen in unserem Leben. Menschen mit Analphabetismus oder Lese- und Rechtschreibschwäche stehen in solchen Situationen oft vor großen Herausforderungen. So schränkt Analphabetismus nicht nur den eigenen Horizont ein, sondern er schafft zumeist schwer überwindbare Grenzen, denn nicht selten schotten sich Analphabeten sozial ab. Betroffenen ist es unangenehm ihr Defizit in der Öffentlichkeit zu zeigen – ein Umstand, der für viele eine große psychische Belastung darstellt. Jeder achte Erwachsene in Deutschland kann nicht oder nur unzureichend lesen und schreiben.

Die DIU-Schreibakademie hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Hürde der Kommunikation einzureißen. In kleinen Gruppen erhalten gering literarisierte Menschen die Möglichkeit, Lesen und Schreiben zu lernen. Für maximale Lernerfolge sorgen innerhalb der kleinen Lerngruppen fachkundige Dozenten, die auf individuelle Bedürfnisse der Teilnehmenden eingehen. In einem 4-wöchigen Praktikum, bei einem unserer Praktikumspartner, wird Erlerntes in Teamprojekten angewendet und eine Integration in das Sozial- und Arbeitsleben angestrebt.

Mit der nachhaltigen Steigerung der Lese- und Schreibkompetenzen der Teilnehmenden verbessert sich die soziale Teilhabe und der Grundstein für eine Eingliederung ins Erwerbsleben wird gelegt.

Lesen und Schreiben schafft Chancen und trägt zur Inklusion bei.

Es ist nie zu spät, Lesen und Schreiben neu zu lernen. Sehr gern bin ich Pate, um so das Projekt DIU-Schreibakademie zur Alphabetisierung funktionaler Analphabeten unterstützen zu können. Damit können betroffene Menschen gezielt in ihrer alltäglichen Lebenssituation begleitet werden und wieder in der Arbeitswelt Fuß fassen."
Jan Donhauser, Bildungsbürgermeister der Landeshauptstadt Dresden und Pate der DIU-Schreibakademie.

(Bildungsbürgermeister der Stadt Dresden und Pate der DIU-Schreibakademie, Jan Donhauser)

 

Dozenten und Sozialpädagogische Betreuer

Dozenten 

Marietta Schöps, Dipl.-Betriebswirtin, Dozentin für Englisch, Wirtschaft und Alphabetisierung

Uwe Sroka, Dipl. Lehrer für Mathematik und Physik

Corina Wagner, Dipl. Lehrerin für Deutsch/Kommunikation und Russisch sowie Lehrerin für Alphabetisierung

Dr. phil. Cornelia Wehner, Dozentin u.a. Bachelor-/Masterstudiengänge und Zertifikatskurse DIU

 

Sozialpädagogische Betreuung 

Birgit Reichelt, Berufspädagogin

Absolventen

Nicht Lesen und Schreiben zu können gilt in unserer Gesellschaft als unvorstellbar. Dabei sind 7,5 Millionen Erwachsene in Deutschland Analphabeten. Dies entspricht 12,1 Prozent der Menschen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren. Mit 52,6 Prozent hat mehr als die Hälfte dieser sogenannten funktionalen Analphabeten in der Kindheit Deutsch als Muttersprache gelernt.

Regina Huber hat es geschafft - die 44-Jährige war Analphabetin, konnte Sätze bzw. Texte nicht lesen. „Schon in der ersten Klasse ging mir alles zu schnell. Ich wurde gehänselt, nicht gefördert und ich kam mir vor wie das letzte Rad am Wagen.“

Über 30 Jahre hat sie sich durchs Leben gemogelt, die 8. Klasse abgeschlossen und eine Ausbildung zur Nähmaschinenschlosserin gemacht. Dann wollte sie ihre Schwäche nicht weiter verstecken. Vor 9 Jahren setzte sie sich wieder auf die Schulbank und hat Lesen und Schreiben gelernt. Nach Abschluss der Schreibakademie konnte sie wieder im Berufsleben Fuß fassen und arbeitet heute als Reinigungskraft. „Die Kollegen unterstützen mich sehr, wenn ich hin und wieder noch kleine Probleme beim Lesen und Schreiben habe. Heute bin ich mir jedoch viel sicherer bei der Arbeit, weil ich verstehe, was ich lese und dadurch aktiver handeln kann.“

Auf die Frage, was sie Betroffenen rät, sagt sie: „Nur Mut! Fragen und offen nach Hilfe suchen. Man muss sich nur ein einziges Mal überwinden und sich trauen um Hilfe zu bitten.“