Mit dem Masterabschluss in Clinical Research (M.Sc.) an der DIU im Jahr 2022 schlug unser Alumnus Dr. Hans-Udo Richarz – nach über zwei Jahrzehnten als Führungskraft und Chief Compliance Officer in der Wirtschaft – ein völlig neues, spannendes Karrierekapitel auf.
Heute verknüpft der promovierte Jurist seine immense Erfahrung im Aufbau von Management-Systemen sowie seine Führungserfahrung von interdisziplinären Teams mit den methodischen und ethischen Anforderungen der internationalen klinischen Forschung einerseits und der Vermittlung ihrer Prinzipien an Studierende andererseits. In praktischer Hinsicht hilft ihm hierbei seine ergänzende, in 2021/2022 in den USA erworbene, Ausbildung als Clinical Monitor (CRA). Seine wertvolle interdisziplinäre Expertise gibt er heute als Dozent und Senior Mentor an der Harvard T.H. Chan School of Public Health sowie an der DIU an Postgraduierte weiter. Des Weiteren widmet er sich bereits seit 2013 als externes Mitglied der Fascia Research Group (Technische Universität München/Universität Ulm) Themen der Bindegewebsforschung und hat hierzu in den letzten Jahren auch regelmäßig publiziert. Sein Weg steht beispielhaft für die transformative Kraft eines berufsbegleitenden Studiums an der DIU und für grenzüberschreitendes, lebenslanges Lernen.
DIU Alumnus Dr. Hans-Udo Richarz im Interview:
1. Wenn Sie auf Ihre Studienzeit an der DIU zurückblicken: Welcher Moment, welche Person, welches Lehrthema oder welche Veranstaltung fällt Ihnen spontan als erstes ein und hat Sie besonders geprägt?
Besonders interessant waren in meinem MPCR-Studiengang (2020–2022) die sehr praxisnahen Themen, die im kooperierenden PPCR-Programm an der Harvard-Universität aus Zeitgründen nicht behandelt werden konnten. Dazu zählten etwa Real World Data (RWD), wirtschaftliche Aspekte der klinischen Forschung oder Medical Devices. Auch die Statistik-Vorlesungen bei Prof. Schipp haben mich nachhaltig beeindruckt.
2. Gibt es ein Thema, eine Methode oder eine besondere Erkenntnis aus dem Studium, die Ihren beruflichen Blickwinkel bis heute nachhaltig verändert hat bzw. die Sie bis heute anwenden?
Klinische Forschung kann meines Erachtens nur derjenige richtig verstehen, der sich tiefgehend mit der Materie auseinandergesetzt hat. Mein größter Gewinn aus dem Dresdner MPCR-Programm – ebenso wie aus dem Harvard-Studium – ist die erworbene Fähigkeit, klinische Studien wirklich „richtig“ lesen und die berichteten Ergebnisse fundiert einordnen zu können.
3. Wenn eine gute Freundin oder ein Kollege überlegt, ob sich das Studium an der DIU lohnt: Was würden Sie ihr/ihm aus Ihrer ganz persönlichen Erfahrung als den größten und wertvollsten "Gewinn" aus dem Studium/der Studienzeit nennen?
Ganz klar die Fähigkeit zur kritischen Auseinandersetzung mit komplexen Forschungsthemen. Es geht nicht nur darum, bestehende Studien kompetent zu bewerten, sondern auch darum, das methodische Handwerkszeug zu besitzen, um eigenständig optimale Modelle für spezifische Studiendesigns zu entwickeln. Diese Fähigkeiten wende ich heute sehr dankbar an.
4. Zum Abschluss noch ein Blick auf Ihr 'Meisterstück': Gab es zu Ihrer Masterarbeit einen Publikationsbeitrag? Nehmen Sie uns doch gern kurz mit in Ihre Forschung – was war das Thema und das zentrale Ergebnis?
Konkreter Auslöser zu diesem Thema waren für mich die insbesondere im Covid 19-Jahr 2020 auch in den Medien immer wieder gezeigten Bilder von schwer erkrankten Patienten, die z.T. mehrmals täglich mühsam vom Pflegepersonal „bewegt“ (insbesondere im Krankenbett gewendet) werden mussten und dies z.Zt. ausschließlich durch manuellen Körpereinsatz des Pflegepersonals unter Bindung von oftmals mehreren Pflegekräften. Die in 2023 im Journal of Occupational Health veröffentlichte Arbeit ging daher der praktisch wichtigen Frage nach, welchen Einfluss die Nutzung „mechanischer Hilfsmittel“ (mechanical devices), wie z.B. Deckenlifte, auf eine Verringerung von unteren Rückenschmerzen und musculoskeletalen Verletzungen von Pflegepersonal haben. Diesbezüglich wurden eine systematische Literaturrecherche sowie eine Meta-Analyse durchgeführt mit dem Ergebnis, dass die verstärkte Nutzung (und Einführung) mechanischer Hilfsmittel in vielen Studien positive Wirkungen auf die Verringerung unterer Rückenschmerzen und musculoskeletaler Verletzungen von Pflegekräften gezeigt hat und daher im klinischen Alltag - auch unter Berücksichtigung eines in der Arbeit aufgezeigten, positiven Kosten-Nutzen-Verhältnisses - verstärkt berücksichtigt werden sollten.
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