Das Beste aus beiden Welten oder nichts Halbes und nichts Ganzes?

04. Dezember 2020

Jura studieren und nebenbei auch BWL und VWL lernen? Studiengänge, die mehrere Disziplinen miteinander kombinieren, werden immer beliebter. Bedenken gibt es dennoch häufig. Studiert man mit einem Wirtschaftsrechtstudium nichts "Richtiges", weil man weder „Voll-Jurist“ noch "Voll-BWLer" ist? Wir haben die Expertin, Frau StB Dr. Margitta Markert, Director Tax bei der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft interviewt.

StB Dr. Margitta Markert, Director Tax bei der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und wissenschaftliche Leiterin des Studiengangs Wirtschaft & Recht an der DIU

Der Studiengang „Wirtschaft und Recht“ soll wirtschaftliches Denken im juristischen Kontext vermitteln. „In meiner nunmehr 30-jährigen Berufspraxis als Steuerberaterin ist diese Fähigkeit eine entscheidende Grundlage, komplexe Sachverhalte in den Unternehmen zu verstehen und Mandanten optimal zu beraten“, so Dr. Margitta Markert, wissenschaftliche Leiterin des Studiengangs Wirtschaft und Recht an der Dresden International University.

Abschluss ist nicht gleich Abschluss. Der Studiengang „Wirtschaft und Recht“ kann mit einem LL.M. oder mit einem MBA abschließen – ist der Abschluss vom vorangegangenen Studium abhängig oder steht Bewerber*innen die Wahl des Abschlusses frei?
Grundsätzlich steht dem Bewerber die Wahl des Abschlusses frei, allerdings sind die Anforderungen des LL.M. für Studenten ohne juristische Vorbildung nicht einfach zu erfüllen. Das zeigt sich häufig in der Masterarbeit, die für den Abschluss eine Herausforderung ist.

Frau Dr. Markert, nach dem Studium streben viele eine möglichst schnelle Karriere an. Inwieweit können Zusatzqualifikationen hierbei hilfreich sein und weshalb sollten sich Absolvent*innen die Möglichkeit eines LL.M. oder eines MBA in zeitlicher Nähe zum Staatsexamen überlegen?
Jede Zusatzqualifikation bringt Erkenntnisse, die für die berufliche Praxis hilfreich sind, davon können die Absolventen eigentlich nicht genug bekommen. Die Herausforderungen an die berufliche Tätigkeit steigen stetig, das Wirtschaftsleben ist komplexer geworden und fordert eine permanente Anpassung an sich immer schneller ändernde Rahmenbedingungen. Diesen Anforderungen müssen sich die Absolventen stellen und dann kann viel fundiertes Wissen helfen.

Wirtschaft und Recht hängen in der Praxis eng zusammen, werden aber im Verlauf der jeweiligen Bachelor- bzw. Staatsexamensstudiengänge getrennt voneinander betrachtet. Ist bereits durch das Zusammenlegen beider Bereiche innerhalb des Masters die Ausbildung praxisorientierter?
Eine praxisorientierte Ausbildung setzt theoretische Grundlagen voraus und versucht, dieses Wissen mit praktischen Fällen zu anwendungsbereitem Wissen mit auszubauen, natürlich auch mit der Erweiterung der Grundlagen. Die Zusammenlegung der beiden Bereiche allein hilft da noch nicht. Wichtig ist die interdisziplinäre Arbeit an den Fällen, genau da entsteht auch der Mehrwert für die Absolventen. Dieser Blick über den „Tellerrand“ in die angrenzende Disziplin macht das Mehr an Erkenntnis.

Wie wird der Studienalltag ausgestaltet? Wird auf Präsenzveranstaltungen oder auch auf Webinare gesetzt? Werden auch praktische Abschnitte mit eingeplant?
In der aktuellen Corona-Situation ist auch an der DIU die Gestaltung des Studienalltags nicht immer leicht.  Hier gehen wir verschiedene Wege gegangen. Wir werden alle Lehrveranstaltungen wie geplant und so oft wie möglich in Präsenzlehre durchführen. Natürlich halte ich Präsenzveranstaltungen für besonders wichtig, es ist das gemeinsame Arbeiten, die Kommunikation und Diskussion in den Vorlesungen und hier auch die praktische Arbeit an Fallbeispielen. Geht dies nicht, übertragen wir all dies auch in virtuelle Veranstaltungen.

Der MBA ist unter Jurist*innen vergleichsweise wenig verbreitet. Für wen empfiehlt es sich dennoch, den MBA dem LL.M. vorzuziehen?
Insbesondere Jurist*innen, die sich für eine Tätigkeit in Unternehmen oder für Unternehmen interessieren, sollten den MBA anstreben. Der Denkansatz der Betriebswirte, Probleme zu lösen, ist naturgemäß ganz anders als der juristische Denkansatz. Häufig sprechen Betriebswirte und Juristen über einen Fall, aber beide reden völlig aneinander vorbei. Dieses Vakuum muss geknackt werden, um einen Fall optimal aus juristischer und betriebswirtschaftlicher Sicht zu lösen.

Wirtschaftliche Schwerpunkte gibt es ja bereits in der universitären Ausbildung. Wie viel nützen diese bei einem LL.M. oder MBA und wie viel weiter geht beispielsweise der Studiengang „Wirtschaft und Recht“?
Der Studiengang „Wirtschaft und Recht“ vermittelt praxisbezogene disziplinenübergreifende Denkansätze.

Der LL.M. und der MBA sind für sich genommen vielen ein Begriff, aber wo liegen die Unterschiede zwischen beiden Abschlüssen?
Die Unterschiede ergeben sich aus den Studieninhalten, der LL.M. mit starken rechtlichen Inhalten und der MBA mit starken betriebswirtschaftlichen Inhalten.

Das Programm beider Abschlüsse an der DIU scheint sehr parallel aufgebaut zu sein, bis auf abschlussspezifische Module für den LL.M. und den MBA. Machen nur diese einen Unterschied oder sind auch innerhalb der anderen Standardmodule bereits Unterschiede in Bezug zum angestrebten Abschluss auszumachen?
Das Grundkonzept ist zunächst der interdisziplinäre Ansatz für alle Absolventen. Es gibt ergänzende Module und natürlich die Abschlussarbeit, die ein wesentlicher Baustein ist und die besonderen Fähigkeiten im juristischen oder im betriebswirtschaftlichen Bereich fordert. Die Abschlussarbeiten werden je nach Abschluss durch die wissenschaftliche Leitung genehmigt und müssen den Anforderungen der jeweiligen Disziplin entsprechen.

„Judex non calculat“ ist ein altbekannter Spruch bei Jurastudierenden. Wie viel Mathematik kommt auf die Teilnehmer der Programme zu und kann eine fehlende Affinität hierfür zu Schwierigkeiten führen?
Die reine Mathematik ist nicht so das Problem. Die Schwierigkeiten entstehen für Juristen häufig bei der Sachverhaltsfindung. Bei betriebswirtschaftlichen Sachverhalten braucht es die betriebswirtschaftliche Denkweise, um ein Problem überhaupt erst zu erkennen. Ein juristisch perfekter Vertrag kann wirtschaftlich die Katastrophe sein, umgekehrt natürlich auch. Aus den Verträgen wirtschaftliche Folgen abzuleiten ist eine Herausforderung für Betriebswirte und für Juristen.

Hand aufs Herz, was ist die größte Herausforderung für die MBA- und LL.M.-Studierenden und wie versucht die Dresden International University an dieser Stelle das Weiterkommen zu erleichtern?
Der Studiengang fordert viel von den Studierenden und oft ist die Zeit sehr knapp. Die meisten Studierenden sind bereits beruflich tätig und unterschätzen den erforderlichen Zeitaufwand. Wir versuchen hier so flexibel wie möglich zu sein, aber der Abschluss kann nur durch die eigene Leistung geschafft werden. Natürlich unterstützen die Dozenten Studenten auch mit ergänzenden Literaturhinweisen und persönlichen Gesprächen., sollten sich Wissenslücken auftun

LL.M. plus MBA? Besteht die Möglichkeit, den Studiengang mit beiden Abschlüssen zu beenden, indem beide Vertiefungsmodule gemacht werden?
Die Studierenden können Vertiefungskurse aus beiden Bereichen belegen (LL.M. und MBA), müssen sich aber für einen Abschluss entscheiden. Die zusätzlich erworbenen Kenntnisse werden ggf. in einem Zertifikat bestätigt.     

Gibt es bei den Masterstudiengängen einen N.C., der zu beachten ist, oder werden die Teilnehmer*innen nach anderen Kriterien ausgewählt?
Die Teilnehmer*innen müssen die Zugangsvoraussetzungen erfüllen. Dazu gehören neben dem ersten akademischen Abschluss auch Berufserfahrung. Ein N.C. ist nicht definiert.

Wie werden die Studienprogramme strukturiert? Ist ein Wechsel zwischen den Programmen auch ohne allzu großen Aufwand möglich, wenn der Teilnehmer beispielsweise andere Module möchte oder statt des MBA doch einen LL.M. anstreben will?
Das Studium ist modular aufgebaut. Die meisten Module sind vom Inhalt interdisziplinär ausgerichtet und von allen Studierenden zu belegen. Die Differenzierung hin zum Masterabschluss erfolgt über das Vertiefungsmodul, so dass sich die Teilnehmer erst zum Ende des Studiums für den MBA oder den LL.M. entscheiden müssen.

Geld spielt keine Rolle – oder doch? Gibt es Förderprogramme oder andere Möglichkeiten, das Studium an der DIU zu finanzieren, Frau Dr. Markert?
Es gibt verschiedene Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten, wozu die DIU im Bedarfsfall die Interessenten umfänglich berät.

Wieviel Arbeit steckt für die Dozent*innen in den Programmen und wie haben sich diese seit ihren Anfängen (oder Ihrem Anfang?) weiterentwickelt? Was tut die DIU, um sie stetig attraktiv und aktuell zu halten?
Auch die Vorlesungen müssen stets aktualisiert werden, rechtliche und auch betriebswirtschaftliche Grundlagen ändern sich und damit kann sich auch der Fokus in den Vorlesungen verlagern. Wichtig ist uns, die Studierenden für die Risiken der Disziplinen Wirtschaft und Recht zu sensibilisieren, damit sie erfolgreich in oder für Unternehmen arbeiten können. An der Entwicklung des Studiengangs wirken die Studierenden durch ihre Fragen mit. Aktuelle Themen, Gesetzesänderungen oder Vorschläge werden in die Vorlesungen integriert. Es sind immer Herausforderungen auch für die Dozenten, aber es macht Spaß und manchmal bringen selbst mich die Fragen der Studenten zum Nachdenken und das ist gut so.

Und Ihr Fazit, Frau Dr. Markert?
Einige Studenten treffe ich hin und wieder mal und bisher hat noch keiner gesagt, dass sich das Studium nicht gelohnt hat. Das ist doch ein Erfolg, der sich sehen lassen kann.

Vielen Dank, Frau Dr. Markert!
 

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