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Dienstag, 12. Juli 2011

in dubio pro vita

Expertenabend zum Thema "Sterbehilfe" mit Prof. Dr. Dr. Ulsenheimer

Expertenabend zum Thema "Sterbehilfe"

Expertenabend zum Thema "Sterbehilfe"

Expertenabend zum Thema "Sterbehilfe"

Gilt "in dubio pro vita - "im Zweifel für das Leben" selbst wenn der Patientenwille diesem entgegensteht? Entspricht der Inhalt einer Patientenverfügung auch dem tatsächlichen Patientenwillen?

Am Abend des 01.07.2011 veranstaltete die Dresden International University erneut einen Expertenabend des Studiengangs "Medizinrecht". Der ausgewiesene Fachmann im Medizinstrafrecht Professor Dr. Dr. Klaus Ulsenheimer referierte zum Thema "Grundfragen der Sterbehilfe". Unter den ca. 40 Zuhörern fanden sich an diesem Freitagabend  auch Studierende der Studiengänge Health Care Management und Palliative Care sowie einige Alumni des Studiengangs Medizinrecht im Moritzburg-Salon des Hotels Westin Bellevue ein. Der wissenschaftliche Leiter des Studiengangs Medizinrecht Professor Bernd-Rüdiger Kern führte die Anwesenden in die Thematik ein. Im Anschluss gab Prof. Ulsenheimer einen ausführlichen Einblick in den aktuellen Sachstand zum Thema Sterbehilfe.
Das folgende Beispiel illustriert wie emotional aufgeladen die Thematik diskutiert wurde: Eine 27-Jährige wird bei einem Verkehrsunfall so schwer verletzt, dass sie für mehrere Wochen ins künstliche Koma versetzt und beatmet werden muss. Voraussichtlich wird sie aber wieder voll gesunden.
Erstaunlicherweise führte die Patientin eine Patientenverfügung bei sich, der zur Folge sie lebensverlängernde Maßnahmen wie die künstliche Beatmung für mehr als zehn Tage ablehnt. Die behandelnden Ärzte aber auch die Juristen stehen nun vor dem Dilemma, entscheiden zu müssen, ob die Patientin in ihrer Verfügung nur die sogenannte "sinnlose lebensverlängernde Apparatemedizin" meinte oder ob sie tatsächlich diese zur erfolgreichen und schonenden Behandlung erforderliche Therapie, die eine vollständige Genesung verspricht, bei der Verfassung ihrer Verfügung im Sinn hatte und auch ablehnt. Man entschied sich für das Leben - zu Recht?
Prof. Ulsenheimer nutzte unter anderem dieses Beispiel, um die Grenzfälle und Unsicherheiten der derzeitigen Rechtslage dem Publikum zu verdeutlichen. Er ging sowohl auf die Entwicklung der Gesetzgebung sowie der nachfolgenden Rechtsprechung als auch auf die in der Praxis problematische Abgrenzung zwischen passiver und indirekter aktiver Sterbehilfe ein. Er regte somit eine offene und kontroverse Diskussion im Publikum an, die vor allem durch die persönlichen Erfahrungen der anwesenden Ärzte und der damit offenbarten Gewissensentscheidungen des Einzelnen an Tiefe und Eindringlichkeit gewonnen hat. Diese Veranstaltung bot zwar keinerlei Lösungen, dafür hat sie aber wertvolle Denkanstöße geben können und bleibt den Beteiligten sicherlich in lebhafter Erinnerung.

 

Wolf Boës / Steffen Mähliß (Studierende des Masterprogramms Medizinrecht
LL.M.)


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