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Montag, 13. Dezember 2010

Expertengespräch zum Thema "Organtransplantation"

Expertenabend des Studiengangs Medizinrecht der DIU am 03.12.2010 im Hörsaal der Universitätsklinik Dresden.

Expertenabend

Expertenabend

Am Abend des 03.12.2010 fand im Hörsaal des Kinder-Frauenzentrums des Uniklinikums in Dresden erneut ein Expertengespräch für die Studierenden des Masterstudienganges Medizinrecht der DIU statt. Mit Herrn Prof. Dr. med. Johann Hauss, Chefarzt für Viszeral-, Gefäß-, Thorax und Transplantationsmedizin an der Universitätsklinik in Leipzig und Herrn Prof. Dr. jur. Hans Lilie, Leiter des Studienganges Medizin und Ethik an der Universität in Halle konnte der wissenschaftlich Verantwortliche Prof. Dr. Kern anerkannte Praktiker und erfahrene Kenner der Materie für die Veranstaltung gewinnen.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Herrn Dr. Prof. Kern referierte zunächst Herr Prof. Dr. Lilie über die rechtlichen Rahmenbedingungen der Transplantationsmedizin. Es gelang ihm dabei, die deutschen Regelungen im internationalen Kontext darzustellen und die Unterschiede anhand seiner persönlichen Erfahrungen als Mitglied der zuständigen Kommission der Bundesärztekammer plastisch aufzuzeigen. Er legte insbesondere dar, dass die Bereitschaft zur postmortalen Organspende in Deutschland im internationalen Vergleich eher gering ist, wobei er nicht zuletzt die Zustimmungslösung des deutschen Rechts als Grund anführte. Er sprach sich für eine modifizierte Widerspruchslösung aus, warnte jedoch zugleich vor einer unflexiblen gesetzlichen Überregulierung. Der Vortrag machte deutlich, dass die aktuelle Rechtslage durchaus Bedarf für eine Vielzahl von Verbesserungen und demokratisch legitimierten Kontrollmechanismen bietet, jedoch den internationalen Vergleich nicht zu scheuen braucht. Zum Abschluss bot Herr Prof. Dr. Lilie einen Ausblick auf zu erwartende Entwicklungen in einem stetig zusammenwachsenden Europa. 

Im Anschluss hieran erläuterte Herr Prof. Dr. Hauss die praktischen Aspekte der Organtransplantation und bot damit insbesondere den Juristen im Auditorium einen Einblick in die medizinischen Möglichkeiten und Probleme der Organtransplantation. Er forderte ebenso wie sein Vorredner eine bessere Information der Bevölkerung, aber auch der Ärzteschaft und der Kliniken. Nicht selten würden noch immer Organe wegen Unkenntnis der Rechtslage, ungesicherter Finanzierungsfragen und fehlender Motivation aller Beteiligten nicht für die Patienten auf den Wartelisten in einem annähernd ausreichendem Maß zur Verfügung stehen. Er machte deutlich, dass bei einer durchschnittlichen Wartezeit von sechs Jahren selbst bei Organen, für die technische Ersatzmöglichkeiten wie z.B. die Dialyse bestehen, Langzeitfolgen für den Patienten zu erwarten sind, welche mit einer Verkürzung dieser Wartezeiten vermeidbar wären.

Beide Redner gingen auch kurz auf die Lebendspende ein und lobten die positiven Auswirkungen öffentlichkeitswirksamer Lebendspenden hochrangiger Vertreter der Politik im In- und Ausland.

Im Anschluss an die Vorträge bestand die Möglichkeit zum Dialog aller Anwesenden. Neben juristischen Standpunkten wurden auch die unterschiedlichen Erfahrungen und ethischen Positionen der anwesenden Mediziner ausgetauscht. Die Schilderung eines Falles aus dem persönlichen Umfeld einer Teilnehmerin trug dazu bei, die menschliche Komponente vor Augen zu führen. Zum Ausklang der Veranstaltung wurde ein Imbiss gereicht, der nochmals die Gelegenheit zu Gesprächen mit den Professoren und Kommilitonen bot. 

Auch wenn nicht in allen rechtlichen, medizinischen und ethischen Einzelfragen Konsens erzielt werden konnte, in einer Sache waren sich alle Kursteilnehmer einig: Der DIU, insbesondere Herrn Prof. Dr. Kern sowie der Studiengangskoordinatorin Franziska Ramisch, ist erneut für einen gelungenen Expertenabend zu danken. Der nächste Expertenabend wird bereits mit Ungeduld und Spannung erwartet.

Autoren: Ass. jur. Matthias Kempf/Dr. iur. Frank Blaser (Teilnehmer des Masterstudiengangs „Medizinrecht, LL.M.“)


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