Montag, 13. Dezember 2010

Bericht: Expertengespräch mit Prof. Dr. Uwe M. Schneede

Am 09.12.2010 hatten die Studierenden des Masterstudiengangs Kultur + Management an der DIU durch die Unterstützung der Marga und Kurt Möllgaard Stiftung die Gelegenheit einen der international bekanntesten Analytiker der Museumsarbeit, Herrn Professor Uwe M. Schneede in einem Expertengespräch persönlich kennenzulernen.

Expertengespräch mit Prof. Dr. Uwe M. Schneede

Expertengespräch mit Prof. Dr. Uwe M. Schneede

Expertengespräch mit Prof. Dr. Uwe M. Schneede

Expertengespräch mit Prof. Dr. Uwe M. Schneede

Expertengespräch mit Prof. Dr. Uwe M. Schneede

Expertengespräch mit Prof. Dr. Uwe M. Schneede

Der langjährige Direktor der Hamburger Kunsthalle sprach zum Thema „Zwischen Museumsboom und Unterfinanzierung – zur Position des Museums heute“. Nach einer kurzen Vorstellung seiner Person durch Herrn Professor Karl-Siegbert Rehberg, dem wissenschaftlichen Leiter der Dresden School of Culture, begann Herr Schneede mit einer kurzen Darstellung der Aufgaben eines Museums heute. Diese seien in leichten Modifikationen noch immer die gleichen, wie sie seit Beginn der öffentlichen Museumskultur gewesen seien. Sammeln, Bewahren, Forschen und Vermitteln seien auch heute noch die Hauptaufgaben der Museumsarbeit. Das Feld der Erweiterung der Sammlung sei auch heute noch von großer Bedeutung, sei aber neben der beträchtlichen Anstrengung finanzielle Mittel für den Ankauf neuer Werke für die Sammlung zu akquirieren auch mit einem stetig steigenden Platzbedarf verbunden. Dies bringe auch für die Museumsleitung ganz neue Aufgabenfelder mit sich, so etwa in der Auswahl der technischen Ausstattung und funktionellen Gestaltung der (neuen) Räumlichkeiten.

Neben den traditionellen Aufgaben der Erhaltung und Forschung, habe sich die Aufgabe der Vermittlung in den letzten Jahren beträchtlich gewandelt. War noch in den späten 60er Jahren ein Museum ohne Besucher das Beste für den sich dadurch der Forschung umso intensiver widmen könnenden Museumsmitarbeiter, so habe hier nun ein Paradigmenwechsel stattgefunden, hin zu einem am Publikum orientieren breiten Angebot von Kursen, Seminaren und Führungen.

Nach dieser kurzen Einführung zu den Aufgabenfeldern des Museums begann eine rege Diskussion mit den Studierenden. So beispielsweise um die Frage der Veräußerung von Kunstwerken aus Museumsbesitz. Diese heute viel diskutierte und unter politischem Druck ersonnene Möglichkeit der Verbesserung der Kassenlage wurde in Hamburg bereits in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts praktiziert. So wurden vom damaligen Direktor über 1.000 Werke verkauft, um damit andere Werke für die Sammlung anzukaufen. Herr Schneede erläuterte, dass damals besonders sammlungsfremde Werke veräußert wurden, um die Qualität der Sammlung insgesamt zu verbessern. Grundsätzlich halte er den Verkauf von Werken nur bei besonders großen Sammlungsbeständen von einem Künstler bzw. gleicher Art sowie bei sammlungsfremden Werken, welche nicht im Zusammenhang mit dem Museum oder seiner Sammlungsstrategie stehen für gerechtfertigt. Der Erlös dürfe dann aber ausschließlich der Erweiterung der Sammlung dienen und nicht in die Aufrechterhaltung des regulären Betriebs fließen. Letztlich sei jeder Fall einzeln zu prüfen. 

Ein weiter Diskussionspunkt erörterte die Frage nach der Rolle der Museen als Motoren der heutigen Eventkultur. Herr Schneede erläuterte, dass für ein großes Publikum eine Sonderausstellung der Anlass sei, das örtliche Museum zu besuchen. Allerdings seien die Kosten für große Sonderausstellungen mit Werken aus verschiedenen Orten durch die explodierenden Aufwendungen für Transport und Versicherungen so enorm gestiegen, dass nun viele Sonderausstellungen aus der eigenen Sammlung bestritten würden. Dies führe zu einer Aktivierung der eigenen Bestände und der Umsetzung kreativer neuer Ideen, welche das vorhandene oft mit großer Publikumsresonanz in neue Kontexte stelle und somit neue Aspekte der Sammlung hervorbringe. 

Nach einer kleinen stärkenden Kaffepause Schneede erläuterte dabei die Historie der Verselbstständigung der Hamburger Kunsthalle. Sieben staatliche Museen hatten sich zusammengeschlossen, da sie alle stetig Kürzungen in ihren Etats hinnehmen mussten, und sie diese Entwicklung nicht hinnehmen wollten. Sie erstellten eine Liste über die Erschwernisse ihrer Arbeit und versuchten diese gemeinsam zu beseitigen. Mit Unterstützung der Hamburger Kultursenatorin und nach einstimmiger Abstimmung der Hamburger Bürgerschaft wurde die Hamburger Kunsthalle in eine Stiftung öffentlichen Rechts überführt. Sie konnte damit eine große Beweglichkeit ihrer finanziellen Mittel erreichen.  

Die Veranstaltung fand am 09.12.2010 von 09:00 – 13:00 Uhr im Festsaal der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der TU Dresden im Schumannbau am Münchner Platz statt. Diese ehemalige Gefängniskapelle ist auch heute noch Gedenkort und Teil der Gedenkstätte Münchner Platz.


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