Donnerstag, 17. Februar 2011

Expertenabend: Im Gespräch mit Prof. Harry Kupfer

„Große Künstler haben keine Starallüren – nur Mittelmäßige“

Expertengespräch mit Prof. Harry Kupfer

Expertengespräch mit Prof. Harry Kupfer

Expertengespräch mit Prof. Harry Kupfer

Expertengespräch mit Prof. Harry Kupfer

Expertengespräch mit Prof. Harry Kupfer

Die Veranstaltung wurde mit der freundlichen Unterstützung der Marga und Kurt Möllgaard Stiftung durchgeführt.

Einen faszinierenden Abend erlebten am 10.02.2011 die Studierenden des Studiengangs Kultur + Management. Zu Gast war Herr Professor Harry Kupfer der über seine langjährige Tätigkeit als Opernregisseur berichtete. Moderiert wurde die Veranstaltung von Frau Professor Ilsedore Reinsberg.

Über 200 Inszenierungen hat Herr Kupfer in seiner Karriere verantwortet – einige Werke, wie den Tannhäuser von Richard Wagner, auch mehrmals bearbeitet. Dennoch gestaltete sich jede Inszenierung neu – wie war und ist dies zu schaffen? Herr Kupfer beantwortete diese Frage mit der ihm glücklicherweise eigen seienden „Gabe des Vergessens“ und der Unerschöpflichkeit des wahren Kunstwerkes. In jeder Lebensphase sei es ihm möglich gewesen, immer wieder einen neuen Zugang zum jeweiligen Stück zu finden, wobei das ein oder andere Selbstzitat durchaus gestattet sei. Der Künstler stehe dabei stets in einem Spannungsverhältnis zur Gesellschaft. In den 70iger Jahren sei dieses Verhältnis durch eine genormte Ästhetik bestimmt gewesen, heute habe es sich gewandelt, wobei die Grundproblematik der Ausgrenzung „oppositioneller Künstler“ aber noch immer bestünde. In diesem Zusammenhang wies Herr Kupfer darauf hin, dass Künstler oft Außenseiter seien, welche um ihre Kunst produzieren zu können, Kompromisse mit der sie ausgrenzenden Gesellschaft (und sei es nur zu Finanzierung) eingehen müssten und so ständig zwischen diesen „Welten“ schwankten. 

Frau Reinsberg erläuterte, dass es in Deutschland vermehrt Stimmen gebe, welche der Kostenreduktion halber forderten eine bestimmte Oper mit einer bestimmten Inszenierung zu produzieren und diese dann bundesweit an die einzelnen Opernhäuser zu schicken, womit keine weiteren bzw. parallelen Inszenierungen nötig würden. Sie warf damit die Frage auf, warum Werke stets neu inszeniert werden müssten. Herr Kupfer erklärte dazu, dass neue Interpretationen für die Lebendigkeit des Werkes und den Reichtum an Phantasie notwendig seien. Befürchtungen, dass es zu einer „Gleichschaltung“ kommen werde, habe er jedoch nicht, da die Bedürfnisse des jeweiligen Publikums von Stadt zu Stadt sehr unterschiedlich seien und so von dortiger Seite Widerstand gegen ein solches bundesweit reglementiertes Verfahren zu erwarten wäre. 

Herr Kupfer beschrieb im Folgenden welche Fertigkeiten in seinen Augen für einen guten Opernregisseur notwendig seien. Dazu gehörten neben der Phantasie besonders die Fähigkeit Musik dechiffrieren zu können sowie sehr gute Menschenkenntnis zur Teambildung. Auf die Frage wie man mit den sicher vorkommenden Starallüren mancher Darsteller umgehe antwortete Herr Kupfer pragmatisch: wenn die Zusammenarbeit nicht funktioniere, müsse man sich eben trennen. Dabei wies er jedoch darauf hin, dass nach seiner Erfahrung große Künstler keine Starallüren hätten, sondern nur Mittelmäßige und dass er das Glückgehabt habe, sich in den letzten 20 Jahren von keinem seiner Darsteller trennen zu müssen.

Während der Zeit der DDR arbeitete Herr Kupfer sowohl in Dresden und Berlin als auch in Bayreuth. Inwieweit es dabei Unterschiede zwischen West und Ost gab, erkundigte sich Frau Reinsberg. Das DDR-Publikum sei weitaus wacher gewesen und habe jede Andeutung zu dem bestehenden System erkannt, so Herr Kupfer. Sonst habe er nur dahingehend Unterschiede festgestellt, als dass er sich bei einer Produktion in der DDR nicht an den Kosten habe orientieren müssen, da dafür immer genügend Mittel bereit gestellt worden wären. Da er auch im Ausland habe arbeiten können, habe er auch nie daran gedacht die DDR zu verlassen, obwohl es Versuche gegeben habe ihn abzuwerben.

An das Gespräch schloss sich nach einer kurzen Pause eine von Herrn Prof. Dr. Karl-Siegbert Rehberg geleitete Diskussionsrunde an, in welcher neben der Zukunft der Oper unter anderem die Frage nach dem Urheberschaftsstatus des Opernregisseurs diskutiert wurde. 

Die Teilnehmer des Abends erhielten zur Vertiefung der angeschnittenen Inhalte das Buch „Beständig ist nur der Wandel“ zur Intendanz von Prof. Gerd Uecker an der Semperoper mit Beiträgen u.a. von Prof. Kupfer,  Prof. Dr. Ilsedore Reinsberg und Prof. Dr. Rehberg.


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