Mittwoch, 6. Mai 2009

Dr. Barbara Schubert und Ulrich Braun im Interview der "ad rem"

In der adrem.Klub.Kino-Diskussion ließen beide Gäste tiefe Einblicke in ihre Arbeit zu.

Fotos: privat + Andreas Herrmann

Hochschulzeitung „ad rem“ vom 8. April 2009, Seite 7

Der Tod ist unsere einzige Gewißheit

Nahaufnahme: Dr. Barbara Schubert zu Gast beim adrem.Klub.Kino

Deutschlandpremiere am 15.April im UFA-Palast: „Ob ihr wollt oder nicht“ – ein Film über das Tabuthema Tod.

Die Oberärztin der Station Palliativmedizin/Onkologie des Dresdner Krankenhauses St. Joseph-Stift in der Nahaufnahme:

1. Was wollten Sie früher einmal werden?

Ich wollte schon immer Ärztin werden. Und mein frühes Vorbild war der Hausarzt meiner Großmutter – einer, der uns alle kannte, der kam, wenn er gebraucht wurde, der für mich spürbar half und Sicherheit ausstrahlte.

2. Wohin hat Sie Ihr Weg geführt?

Ich bin über die Innere Medizin und Tumorbehandlung zur Palliativmedizin gekommen und betreue damit viele unheilbar erkrankte Menschen. Ich verstehe den Arztberuf als ein ganzheitliches Sorgen: Wenn ein Mensch nicht wieder gesund werden kann, dann leidet mehr als sein Körper, dann leidet seine Seele und sein soziales Umfeld. Dann werden Fragen des Abschieds und die nach dem Sinn des Lebens bedeutsam. Um diese Fragen möchte ich mich nicht drücken.

3. In drei Worten – wie würden Sie sich beschreiben?

...als eine zäh das Ziel verfolgende, aber friedfertige Idealistin.

4. Buch oder Film?

Buch.

5. Ein Film über Ihr Leben wäre... ?

Die Zeit, in der ich lebe, ist reich und spannend: von der Kindheit und Jugend in der ehemaligen DDR, über die Chancen der Mitgestaltung eines neuen Anfangs, das Aufwachsen meiner Kinder in Freiheit, aber mit Gefahren, auf die ich sie vorzubereiten habe, auf Probleme der ganzen Welt... Und die Hauptdarstellerin, die wäre ich am liebsten selbst!

6. Das Leben und der Tod…

Ich habe von meinen Patienten und in meinem Arbeitsfeld gelernt, daß der Tod zum Leben gehört, daß wir Menschen gut daran tun, dies gelegentlich zu bedenken und versuchen, den Sinn nicht erst an der Schwelle des Lebens zum Tod zu suchen. Ob wir gut von dieser Welt gehen, hängt davon ab, ob wir ein gutes Leben geführt haben. Und Leben, das ist heute und hier.

Interview: Anne-Kathrin Rensch

Hochschulzeitung „ad rem“ vom 22. April 2009, Seite 7

adrem.Klub.Kino: Euthanasie als Menschenrecht?

In der adrem.Klub.Kino-Diskussion über Ben Verbongs Film „Ob Ihr wollt oder nicht!“ („ad rem“07.2009 & 08.2009) ließen beide Gäste tiefe Einblicke in ihre Arbeit mit Todkranken zu.

Ulrich Braun (Dozent für Medizinethik an der Medizinischen Fakultät der TU Dresden) baut eine Beziehung zu seinen Patienten auf, muß sich aber immer wieder an seine Funktion als Betreuender erinnern. „Schon in meiner Zeit als Hilfspfarrer habe ich gelernt, mit allen Reaktionen unheilbar Kranker umzugehen: der Frage der Ungerechtigkeit, dem Zorn, Protest, der Traurigkeit und Angst.“

Dr. Barbara Schubert (Oberärztin der Palliativstation am St. Joseph-Stift Dresden) wird ebenfalls oft mit der Angst ihrer Patienten konfrontiert. „Oft hilft es schon, die Angst zu konkretisieren: Ist es Angst vorm Sterben oder davor, Angehörige allein zu lassen. Wichtig ist auch zu erklären, was beim Sterben mit dem Körper passiert und dem Patienten klarzumachen, daß der Tod ein Teil des Lebens ist.“

Aktive Sterbehilfe ist in den Niederlanden, Belgien, Dänemark und der Schweiz erlaubt. In Deutschland sind Suizid und assistierter Suizid nicht strafbar, aber auf Tod auf Verlangen stehen sechs Monate Freiheitsentzug für den Arzt. „Es bleibt eine rechtsphilosophische Frage, ob man den wenigen Betreffenden die Möglichkeit eröffnen und trotzdem den Mißbrauch verhindern kann“, meint Braun. Auch Schubert kann den Tod auf Wunsch mit ihrem Standeskodex, Leben zu erhalten, nicht vereinbaren.

Antje Hanisch

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