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Dienstag, 28. Januar 2014

In der Inszenierungsfalle

Was machen die Dozenten der DIU, wenn sie nicht an der DIU lehren? Manche meinen, sie seien im Urlaub, laufen Ski, bringen ihr Haus auf Vordermann, trinken Rotwein und bekochen ihre Liebsten. Sicher, das tun sie auch, nicht immer, aber doch hin und wieder.

Buch: Der Islam und der Westen - Sozialpsychologische Aspekte einer Inszenierung

Das Buch zum Thema "Der Islam und der Westen. Sozialpsychologische Aspekte einer Inszenierung" ist in der Reihe Politsche Psychologie im Springer Fachmedien Verlag erschienen.
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Die meiste Zeit aber lehren und forschen sie an ihren Hauptarbeitsplätzen. Ich mache das auch so. Im letzten Jahr zum Beispiel habe ich mich mit dem Abschluss eines Forschungsprojekts beschäftigt. Herausgekommen ist ein Buch. Bücher sollen gelesen werden. Zu diesem Zwecke ist es immer gut, wenn sich die Bücher auch gut verkaufen. Also mache ich jetzt an dieser Stelle mal Werbung für dieses Buch:

Muslime sind gefährlich und wollen sich nicht in die deutsche Gesellschaft integrieren. Deutsche dagegen sind arrogant und oberflächlich und ihrerseits eine Bedrohung für die Muslime. Zu diesem Schluss könnte man kommen, wenn man der täglichen Berichterstattung in den Fernsehnachrichten glaubt. Die Wirklichkeiten sind aber meist anders und viel häufiger auch sehr komplex.

Für das Buch „Der Islam und der Westen. Sozialpsychologische Aspekte einer Inszenierung“, das im Herbst 2013 erschienen ist, haben meine Kolleginnen, Kollegen und ich umfangreiches Daten-material aus zwei eigenen Studien ausgewertet. Wir fanden zunächst Unspektakuläres: Das Bild, das sich Muslime und Nicht-Muslime voneinander machen, ist geprägt von den Nachrichten ihres bevorzugten Fernsehsenders. In der Altersgruppe von 14 bis 32 Jahren sind das vor allem private Sender: deutsche wie türkische und arabische. Die vorwiegend einseitige und zu Dramatisierung neigende Berichterstattung der privaten Programme hinterlässt dabei deutliche Spuren. Gleichwohl, wäre es zu einfach, diesen Medien die Verantwortung für das Bild in den Köpfen der Zuschauer zuzuweisen. Denn: Die Zuschauer suchen sich selbst die Nachrichten aus, die sie erwarten.

Und erwartet wird in der Regel Trennendes und Unvereinbares zwischen „Islam“ und „Westen“. Wie unsere Studien zeigen, wird der „Westen“ etwa in türkischen Privatsendern vornehmlich als Bedrohung dargestellt. Fast spiegelbildlich taucht in den Ereignisberichten der deutschen Sender der „Islam“ als Bedrohung auf. Dass sich Muslime und Nicht-Muslime voneinander abgrenzen, sich gar als gegenseitige Bedrohung empfinden und in einem scheinbaren „Kampf der Kulturen“ um die Vormacht ringen, hat allerdings wenig mit der Realität in Deutschland zu tun. Was hier zusammenprallt, sind nicht unterschiedliche Kulturen. Es sind lediglich unterschiedliche Vorstellungen voneinander, die von hartnäckigen Vorurteilen geprägt sind. Und die werden durch mediale Inszenierungen immer wieder bedient.

Wobei sich nicht nur die Medien des Mittels der Inszenierung bedienten. Auch die Politik greift darauf regelmäßig zurück. Auch darum und um einen möglichen Ausweg aus der „Inszenierungsfalle“ geht es im besagten Buch: „Der Islam und der Westen. Sozialpsychologische Aspekte einer Inszenierung“ , Wolfgang Frindte (2013), Springer VS, Wiesbaden 2013.

Ach ja, da ich nun schon einmal bei der Eigenwerbung bin: Falls Sie, verehrte Leserinnen und Leser dieses Werbeblocks, mehr über unsere gegenwärtige Forschungsarbeit erfahren möchten, lade ich Sie herzlich zu unserer nächsten wissenschaftlichen Tagung nach Jena ein. Sie findet vom 19.6. bis 22.6.2014 in Jena statt und trägt den Titel „Nationalsozialistischer Untergrund, Rechtsextremismus und aktuelle Beiträge der Friedenspsychologie“. Ausführliche Informationen zu dieser Tagung finden Sie u.a. hier: http://conference.friedenspsychologie.de und https://www.facebook.com/tagung.friedenspsychologie.

So, und nun zurück zur DIU und zu einem dritten Werbeblock: Am 8. Februar 2014 findet an der DIU ein Tag der offenen Tür statt. Dort können Sie die DIU, ihre Studierenden, Mitarbeiterinnen, Dozentinnen und Dozenten lIVE erleben. Sie sind herzlich eingeladen!

Prof. Dr. Wolfgang Frindte
Institut für Kommunikationswissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Ernst-Abbe-Platz 8, 07743 Jena
E-Mail: wolfgang.frindte@uni-jena.de


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