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Donnerstag, 4. Oktober 2012

IT-Symposium

Es soll schon IT-Beratungsunternehmen gegeben haben, die bei der Ausschreibung von Schlüsselpositionen betont haben, eine Person zu suchen, die ausdrücklich KEINE Erfahrungen mit IT-Projekten hat. Wie kommt man auf sowas?

IT-Symposium

IT-Symposium

Eine der zentralen Fragen des IT-Symposiums, das am 21. September 2012 an der Dresden International University stattfand lautete: Welche Ansprüche werden an die Kompetenzen von IT-Projektleitern und Softwareentwicklern gestellt und was bedeutet das für das IT-Projektmanagement und die Personalauswahl?

Am Symposium haben neben Mitarbeitern und Leitern verschiedener IT-Dienstleister aus Sachsen die Studierenden des berufsbegleitenden DIU-Masterstudiengangs Kommunikationspsychologie teilgenommen, die sich unter anderem ausführlich mit den Wechselwirkungen zwischen Informationstechnologie und menschlicher Kommunikation beschäftigen. Professor Lothar Bildat stellte in seinem Eröffnungsvortrag dar, wie sich aus den spezifischen Anforderungen in IT-Projekten einige typische Rollenkonflikte entwickeln und wie diese (so früh wie möglich!) bearbeitet werden können. Daran anschließend betonte Professor Wilfried Honekamp, dass es immer notwendiger werde, Softwareentwicklung als kontinuierlichen Prozess zu begreifen, an dem der Kunde stetig zu beteiligen ist. Die entsprechenden kommunikativen Kompetenzen und die notwendigen Einsichten entwickelten sich jedoch im Gegensatz zum Bedarf nur recht langsam. Durch Methoden wie Scrum gebe es aber bereits hilfreiche Instrumente zur Verbesserung, die aber noch zu wenig genutzt würden.

Über den Beitrag von Frank Wolf mit dem Titel "Möglichkeiten und Grenzen von virtueller Kommunikation - Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag" sagte ein Teilnehmer, selbst IT-Experte: "Dieser Vortrag war für mich sehr interessant, da er Probleme deutlich gemacht hat mit denen wir uns in Zukunft stärker auseinander setzen müssen, wenn wir nicht in unproduktiven Unternehmen enden wollen. Fragen wie zum Beispiel: Wie gehen wir mir der Flut an Informationen um, die über uns hereinbricht? Welche Informationen sind wichtig, welche nicht, und warum erreichen mich so viele unwichtige Informationen? Wie lassen sich Unterbrechungen bzw. Störungen im Arbeitsalltag vermeiden, obwohl der Kunde ständige Erreichbarkeit fordert, Kollegen immer etwas von einem wollen, und man ständig von irgendwelchen Dingen abgelenkt ist? Wieviele Rollen kann ich in einem Unternehmen einnehmen, ohne unzufrieden zu sein bzw. daran auszubrennen, da ich bei Überforderung keiner Rolle mehr gerecht werde? Das alles sind Fragen, für die es aktuell keine richtigen Lösungen gibt und sich einige vermeintlich gegenseitig ausschließen."

Mit der Analogie, dass IT-Projekte ähnlich funktionierten wie Bauvorhaben, in denen Tausende Jahre Erfahrung mit dem Bau von Häusern nicht bedeuteten, dass alles fehlerfrei und reibungslos verlaufe, begann Kim Oliver Kleinert seinen Vortrag. Da IT-Projekte zumeist Eingriffe in die Organisation des beauftragenden Unternehmens bedeuteten, sei es gerade am Anfang von Projekten notwendig, den "Faktor Mensch" stärker als bisher zu berücksichtigen, sonst komme es in der Regel spätestens bei der Einführung zu größeren Störungen. Gerade die Einbeziehung der Menschen, ihres Wissens und ihrer Motive stelle jedoch sehr spezifische und hohe Anforderungen gerade an Projektleiter. Es sei daher eine sehr wichtige Frage, ob Fachspezialisten in jedem Fall die geeigneten IT-Projektleiter sind.

Um die menschlichen Faktoren geht es auch in dem Buch "Prozesspsychologie" von Jörg Heidig, Kim Oliver Kleinert, Thorsten Dralle und Marianne Vogt, das pünktlich zum Symposium im Verlag Andreas Kohlhage erschienen ist. Die zentrale These des Buches lautet, dass Veränderungen in Organisationen immer sowohl die Prozesse als auch die Menschen betreffen und deshalb interdisziplinär betrachtet und angegangen werden müssen. Diese Sichtweise ist insbesondere für IT-Projekte hoch aktuell, denn die Informationstechnologie stellt das häufigste Initial für Veränderungen dar und betrifft beide Bereiche - Prozesse und Strukturen - in elementarer Weise. Das Problem dabei ist, dass die menschlichen Faktoren - wenn überhaupt - meist zu spät berücksichtigt werden. Jörg Heidig sprach in seinem Vortrag einige eher verborgene psychologische Dimensionen von IT-Projekten an, indem er die Beziehung zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer etwas näher unter die Lupe nahm und einige häufiger vorkommende grundlegende Kommunikationsstörungen analysierte.

Weitere Referenten, ausgewählte Beiträge und Eindrücke finden Sie auf der Website des Symposiums.

Informationen zum Studiengang Human Communication – Kommunikationspsychologie und –management sind unter http://www.dresden-international-university.com/index.php?id=84


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