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Donnerstag, 19. Mai 2011

Als Postgraduierter im Masterstudiengang Human Communication

– mehr als nur Schnupperkurs und Zeitvertreib

Human Communication

Foto: © Dr. Eric Hempel

„Wenn Du nichts Besseres vorhast in Deiner Freizeit?“ oder „Toll, aber dafür hätte ich keine Zeit.“ Waren die wohl häufigsten Reaktionen meiner Umwelt auf das Vorhaben, den DIU-Masterstudiengang HC zu absolvieren. Dabei sind sich alle Mitmenschen mittlerweile einig, dass es vorrangig Kommunikationsdefizite sind, die unser privates wie auch berufliches Leben häufig erschweren und die zu verstehen uns nicht selten schwierig bis unmöglich scheint.

Vor allem im Arztberuf wird eigentlich erwartet, dass man Wissen um Kommunikation in Anspruch und Ausführung beherrscht. Aber in der Ausbildung von Medizinern war das lange Zeit ein völlig vernachlässigter, mehr der Intuition überlassener Aspekt. Typisch beschreibt das T. Ripke: “Aber dann kam die Praxis des Sprechstundenalltags - und hier wurde mir schlagartig bewußt gemacht, daß ich nunmehr als Profi für Beratungsgespräche handelte, aber ein Amateur in Gesprächsführung war. Ich fühlte mich überfordert und war es auch.” (Ripke 1994, VIII)1  Deshalb habe ich mich bereits seit mehr als einem Jahrzehnt auf verschiedene Art und Weise den Kommunikationsabläufen in der Medizin zugewandt, autodidaktisch als auch durch umfangreiche Schulungen Wissen und vielleicht auch Können erlangt sowie mich vor allem meinem persönlichen Faible, der Körpersprache, gewidmet. Meine persönliche Affinität und Aktivität, den modernen Prozessen im Gesundheitswesen selbst gestalterisch entgegenzutreten, also auch Managementaufgaben zu übernehmen, zeigte mir andererseits die Situation auf, dass nach Zeiten von Expansionen und Intensivierungen, Informationsverteilung via moderner Technologien sowie Rationalisierung in Arbeitsprozessen mittlerweile nur noch die Möglichkeiten der Kommunikation in der Lage sind, mögliche Effektivitäts- und Effizienzressourcen zu heben.

An eben diesem Punkt von Erkenntnis und Eingeständnis angelangt bleiben nicht viele Möglichkeiten, den Herausforderungen zu begegnen. Eine war, sich auf akademischem Niveau mit menschlicher Kommunikation zu beschäftigen. Jetzt, über 18 Monate nach Beginn des Studiums und vor dem Erstellen der Masterarbeit, sind die Konsequenzen aus Wissenszuwachs über Strukturen und Gestaltungsmöglichkeiten von Kommunikationsprozessen aus dem beruflichen wie auch privaten Alltag nicht mehr wegzudenken. Sowohl in der Therapie von Patienten als auch in der Führungs- und Leitungstätigkeit ist die bewusste Nutzung und direkte praktische Anwendung des im Studium vermittelten Wissens mittlerweile längst aus der Versuchsphase in eine sichere Anwendung übergetreten. Dies ist der kaum noch wahrgenommene, weil mittlerweile selbstverständliche Effekt für mich ganz persönlich. Ich möchte aber auch nicht verschweigen, dass sowohl im Berufs- als auch Privatleben dieses erhebliche Mehr an Erkenntnis über und Einflussmöglichkeit auf menschliche Kommunikationsprozesse nicht frei von Nebeneffekten bleibt, die auch und nicht nur zum Nachdenken anregen.

 

Dr. Eric Hempel ist Arzt für Anästhesie, Intensivtherapie, Schmerztherapie, Notfall- und Palliativmedizin sowie Gesundheitsökonom. Er führt neben der Leitung einer großen Klinik an seinem Krankenhaus eine Spezialsprechstunde für chronisch Schmerzkranke durch und ist seit Januar 2011 Medizinischer Direktor des Städtischen Klinikums in Görlitz.

 

1 Ripke T: Patient und Arzt im Dialog: Praxis der ärztlichen Gesprächsführung. Thieme Stuttgart; New York; 1994


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