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Montag, 14. Juli 2014

Kulturmanager außer Haus – Fidelio im Gefangenenhof Cottbus

Im Rahmen der Lehrveranstaltung "Kulturelle Bildung" besuchten wir als zukünftige Kulturmanager unter der Leitung von Herrn Holtorf die Gedenk-, Bildungs- und Begegnungsstätte des Vereins für Menschenrechte in Cottbus.

(Fotos: Prof. Dr. Christian Holtorf)

Der Großteil von uns Studenten ist in einer freiheitlichen Demokratie aufgewachsen. Beim Besuch eines ehemaligen Zuchthauses der DDR begegnete uns eine weitestgehend unbekannte Welt aus den dunkelsten Kapiteln der deutschen Geschichte.

Bereits die ersten Eindrücke von dem zur Gedenkstätte umgebauten Gefängnisgelände mit dem dafür renovierten Zellengebäude führten uns Studenten zu einer Diskussion über weltweit aktuelle Menschenrechtsfragen.  Mit Spannung erwarteten wir die angekündigten Begegnungen.

Zunächst wurden wir von der geschäftsführenden Vorsitzenden des Vereins, Sylvia Wähling, zum Gespräch eingeladen. Sie bot uns so nicht nur eine Übersicht zur Projektgestaltung selbst, sondern gewährte tiefgreifende Einblicke in die Aufgaben, die sie und ihre Mitstreiter bewältigen mussten und noch immer müssen. Die immense Leistung, die einzelne an diesem Ort vollbracht haben, wurde deutlich, als wir die mit knappen Mitteln gestaltete Dauerausstellung "Karierte Wolken - Politische Haft im Zuchthaus Cottbus 1933-1989" besuchten. Es erwarteten uns dort spannende Inhalte in beeindruckender Umsetzung, die wir jedem Interessierten weiterempfehlen werden.

Es folgte ein kurzer Vortrag samt Führung durch die Gefängniszellen durch den Zeitzeugen Siegmar Faust, einem ehemaligen politischen Häftling dieses Zuchthauses. Er schilderte sehr eindrücklich, was es bedeutete, in Zeiten eines diktatorischen Systems seiner Meinungsfreiheit beraubt zu sein. Beim Anblick der Zellen im Kellertrakt, deren einziges Inventar ein hartes Bett und ein Kübel sind, überkam uns allen ein sehr beklemmendes Gefühl.

Beeindruckt von seinen Erzählungen und mit vielen Gedankenanstößen über aktuelle brisante Themen bezüglich der Meinungsfreiheit und politischer Gefangenschaft im Gepäck, folgte der krönende Abschluss dieses langen Tages: Beethovens Oper Fidelio wurde vom Cottbusser Staatstheater im Gefängnisinnenhof aufgeführt. Obgleich ermüdet von den Eindrücken des Tages, genossen wir die Vielfältigkeit der Darbietung.

Mit dem emotional aufwühlenden Auftritt des Gefängnischores in authentischer Kulisse und dem Sieg der Freiheit über die boshafte Herrschaft des Gouverneurs Don Pizarro ging ein beeindruckender Tag zu ende. Wir sind dankbar für  viele neue Erkenntnisse und Denkanstöße, die uns diese Exkursion durch Prof. Holtorf, Frau Wähling und Herrn Faust im Hinblick auf Kultur in all ihrem Facettenreichtum vermittelt hat.

[Text von Lore Ullmann]


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