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Mittwoch, 25. April 2012

Zukünftige Kulturmanager besuchen Amsterdam

Die diesjährige Studienakademie führte acht Studierende des Masterprogrammes Kultur + Management zusammen mit dem Wissenschaftlichen Leiter des Studiengangs Prof. Dr. Karl‐Siegbert Rehberg sowie Tanja Matthes von der DIU vom 21. bis zum 25. März 2012 nach Amsterdam.

Kultur und Management in Amsterdam

Kultur und Management in Amsterdam

Kultur und Management in Amsterdam

Kultur und Management in Amsterdam

Kultur und Management in Amsterdam

Fotos und Abbildungen: Tanja Matthes, Karoline Meyer

Die Hauptstadt der Niederlande steht nicht nur für unzählige Grachten und Hausboote, sondern auch für ein lebendiges und weltoffenes Kulturleben, das es zu entdecken galt. Ziel war es, die niederländische Kulturlandschaft in ihren Strukturen und Abläufen von innen kennen zu lernen, um so mehr über deren Spezifiken und Problematiken zu erfahren.

Den Auftakt bildete die Führung durch die Openbare Bibliotheek (Oba) durch Robin de Kruijff. Der 2007 eröffnete Neubau im ehemaligen Hafengebiet Amsterdams ist die größte Volksbibliothek Europas und beeindruckt durch ein konsequent durchgesetztes Prinzip der Offenheit, das sich nicht nur in der Architektur wiederfinden lässt. Daran anschließend erläutertet Dave Wendt von der Amsterdamer Architektur‐Stiftung (Arcam) nicht nur die Arbeit seiner Stiftung, sondern verdeutlichte sehr anschaulich den Teilnehmern die urbane Entwicklung Amsterdams bis zur Gegenwart. Er ging dabei vor allem auf die gegenwärtigen Problematiken der Wiederbelebung von Flächen ein, was sich sehr eindrucksvoll am Hafengebiet belegen lässt.

Das Nachmittagsprogramm eröffnete ein Gespräch mit Prof. Dr. Bart van Heerikhuizen, Soziologie‐Professur am Institut für Sozial- und Verhaltenswissenschaften der Universität von Amsterdam. Nach einer kurzen Einführung zum niederländischen Nationalcharakter beschäftigte sich die anschließende Diskussion vor allem mit aktuellen gesellschaftlichen Tendenzen wie einer zunehmenden Fremden‐ und Europafeindlichkeit. Im Gespräch wurde deutlich, dass diese Entwicklung auch Folgen für das kulturelle System und insbesondere für dessen Finanzierung hat.

Dies bestätigte auch der im Anschluss stattfindende Besuch im Theater Bellevue am Leidseplein. Das Theater Bellevue ist ein kommunal finanziertes Theater ohne eigenes Ensemble, das sein Haus vorrangig Gastspielen zur Verfügung stellt, aber im Rahmen der Reihe Lunchtheater auch moderne niederländische Autoren auf die Bühne bringt. Die Leiterin des Department für Presse‐ und Öffentlichkeitsarbeit Jessica Tepe gewährte bei einer Führung durch das Haus nicht nur einen Blick hinter die Kulissen, sondern erläuterte im Gespräch in der Künstlergarderobe die spezifischen Anforderungen ihres Arbeitsbereiches in einem kleinen Haus mit einem vorwiegend älterem Stammpublikum.

Die erste Station am Freitag war das Muziekgebouw aan't IJ. Dieser direkt am Wasser gelegene imposante Neubau nach Entwürfen eines dänischen Architekturbüros dient vor allem als Spielstätte für zeitgenössische klassische Musik und bildet als Konzertsaal optimale akustische Bedingungen. Der ehemalige Leiter des Departments Programm Jarko Aikens erläuterte sehr anschaulich den Entstehungsprozess und die damit verbundenen künstlerischen Anforderungen, denen in diesem Haus optimal Rechnung getragen wurde.

Nach diesem Ausflug in die Welt der Musik erfuhren die Teilnehmer am Nachmittag mehr über die Amsterdamer Museumslandschaft. In dem direkt am Museumsplein gelegenen Ateliergebouw des Rijksmuseums stellte eine Mitarbeiterin des Departments Development zunächst die Aktivitäten und Modelle des niederländischen Nationalmuseums im Bereich des Sponsoring und Fundraising vor. Im Anschluss gab es die Gelegenheit, mit Gregor Weber, dem Leiter der Abteilung Bildende Kunst detaillierter über die Strukturen des Hauses und dessen Sammlungstätigkeiten ins Gespräch zu kommen. Die dabei gewonnen Erkenntnisse konnten beim anschließenden Besuch des Rijksmuseums vor Ort überprüft werden.

Das städtisch finanzierte Stedelijk Museum Bureau Amsterdam, die erste Station am Samstag, widmet sich zeitgenössischer Kunst, die in Verbindung mit Amsterdam zu sehen ist. Schwerpunkte der Ausstellungstätigkeit sind Installationen und die Integration Neuer Medien.

Anschließend hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, Werner Borkes, den künstlerischen Leiter der „Roze Filmdagen“, dem schwul‐lesbischen Filmfestival kennen zu lernen. Dieses, fast ohne Subventionen durchgeführte zehntägige Filmfestival blickt bereits auf eine 15jährige Geschichte zurück und verdeutlicht sehr anschaulich die kulturelle Lebendigkeit Amsterdams. Werner Borkes ging insbesondere auf den Stellenwert einer aktiven und modernen Besucherarbeit ein, die sich nicht nur in ausverkauften Vorstellungen widerspiegelt.

Den krönenden Abschluss dieses vielseitigen Programms lieferte am Abend der Besuch der Tanzperformance HyperISH im Theater Bellevue. In einer Mischung vielfältiger Tanzstile sowie akrobatischer Elemente begeisterten die sieben internationalen Tänzer mit ihrer ausdrucksstarken Aufführung.

Insgesamt bot das dreitätige Programm mit seinen Besuchen, Führungen und Gesprächsrunden in den unterschiedlichsten kulturellen Einrichtungen den Teilnehmern nicht nur praxisnahe Einblicke in die verschiedenen künstlerischen Bereiche, sondern spiegelte gleichzeitig auch die Vielseitigkeit des Amsterdamer Kulturlebens wider, von der man sich gern anstecken lässt.


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