Dienstag, 8. Mai 2012

Wirtschaftsmediation und Konfliktmanagement als Bestandteil von Unternehmenskultur

Renommierte Vertreter aus Politik und Wirtschaft diskutieren auf der Auftaktveranstaltung des Zertifikatskurses Wirtschaftsmediation mit Prof. Biedenkopf über die Notwendigkeit des mediativen Ansatzes im professionellem Verhandlungs- und Konfliktmanagement.

Wirtschaftsmediation und professionelles Konfliktmanagement

Wirtschaftsmediation und professionelles Konfliktmanagement

Wirtschaftsmediation und professionelles Konfliktmanagement

Am Donnerstagabend, den 26.04.2012, folgten rund 130 Netzwerkpartner, Dozenten, Studierende und Interessenten der Einladung der DIU. Anlässlich des im September startenden Zertifikatskurses „Wirtschaftsmediation | Verhandlungs- und Konfliktmanagement“ veranstaltete die DIU eine große Auftaktveranstaltung mit hochrangigen Podiumsteilnehmern aus Politik und Wirtschaft, in der sich alle Beteiligten für die Notwendigkeit von Wirtschaftsmediation in der Wirtschaft aussprachen. Gründungspräsident Prof. Dr. Biedenkopf, erfahrener Streitschlichter und Ehrenpräsident der DIU, hielt den Eröffnungsvortrag. Rechtsanwältin Dostmann, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Mediation Sachsen e.V. informierte über die Mediationslandschaft in Sachsen und die Entwicklung der Mediation als eine zunehmend nachgefragte Dienstleistung. Sie wies auf den Stand des lange erwarteten Mediationsgesetzes hin. Prof. Dr. Mehlhorn, langjähriger TU Dresden Rektor und DIU-Präsident bis 2010, moderierte die Podiumsdiskussion.


„Wir freuen uns, dass die Auftaktveranstaltung von der Öffentlichkeit so gut aufgenommen wurde“, so Prof. Dr. Hans Wiesmeth, Präsident der DIU, der alle Anwesenden um 18 Uhr begrüßte und die Veranstaltung mit einer kurzen Vorstellung der DIU und des Zertifikatskurses eröffnete. Der wissenschaftliche Leiter des Kurses, Prof. Dr. Hubert Jall resümiert: „Unter den zahlreichen Anmeldungen waren neben Privatpersonen und Mediatoren zahlreiche Vertreter von mittelständischen und Großunternehmen, Bildungseinrichtungen sowie Vertreter aus dem Gesundheitswesen, aus der öffentlichen Verwaltung und dem Dienstleistungssektor. Damit bestätigt sich die Vermutung von Prof. Biedenkopf, dass es überall dort einen Markt für Konfliktlösungen geben müsste, wo Konflikte auftreten – und das ist überall.“ 

Diesen universellen Bedarf illustriert Prof. Biedenkopf zunächst an einem Beispiel aus der Automobilindustrie: Das Verhältnis zwischen Automobilherstellern und Zulieferern hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Zulieferer werden zunehmend innovatorisch tätig und gewinnen damit an Produktionskontrolle. Die Automobilhersteller agieren damit in immer komplexer werdenden Zuliefersystemen und kämpfen zudem mit verknappten Fachkräfteressourcen. Konflikte zwischen Herstellern und Lieferanten können damit nicht mehr nach alten Strukturen hierarisch zuungunsten der Zulieferer gelöst werden. Denn auch der Druck auf Hersteller wächst, interessengerechte Konfliktlösungen zu finden, die für beide Parteien akzeptabel sind und zu nachhaltigen Erfolgen führen.

Dabei entstehen Konflikte schon in viel kleineren Unternehmenseinheiten. Dies verdeutlichte ein kurzer Ausschnitt aus einer Übungs-DVD des österreichischen Ökonomen und Konfliktforschers Friedrich Glasl: Zwei leitende Mitarbeiter geraten nach einer Umstrukturierung über einen zunächst sachlich lösbaren Konflikt in Streit. Der Konflikt lädt sich emotional auf und überfordert beide, eine Lösung zu finden. Um die eigenen Mitarbeiter wieder gesprächs- und damit entscheidungsfähig zu machen, hat die SAP AG in Deutschland ein Konfliktmanagementsystem mit einem 30köpfigen Mediatorenpool aufgebaut. Jürgen Briem, Initiator des Round Table Mediation und Konfliktmanagement der deutschen Wirtschaft und Leiter des Mediatorenpools der SAP AG, berichtete im Podium von der positiven Erfahrungen mit diesem System, das zukünftig weltweit bei der SAP AG verankert werden soll.

Der Justiziar der Dresdner Handwerkskammer Christoper Kruse, als Vertreter der Handwerksgewerke, sah vor allem im Bereich der Unternehmensnachfolge ein enormes Potential für Wirtschaftsmediation: Denn viel zu viele Unternehmer kleiner Handwerksunternehmen gefährden den Fortbestand ihrer Unternehmen, in dem interfamiliäre Streitigkeiten in langen und teueren Gerichtsverhandlungen ausgetragen werden. Denn, so bestätigte der Podiumsteilnehmer und Syndikusanwalt Dr. Ulrich Hagel von Bombardier Transportation GmbH, wer um ein langfristig gutes Verhältnis zur anderen Konfliktpartei bemüht ist, wird nicht die konfrontatorische rechtsbasierte Konfliktlösung suchen sondern vielmehr eine für beide Seiten interessengerechte Lösung.

Zudem, so berichtetet der Vertreter der Mittelstandsvereinigung der CDU Sachsen, Dr. Markus Reichelt, selbst beratend als Unternehmer im deutsch-polnischen Grenzraum tätig, seien die Führungsfiguren im Sächsischen Mittelstand gestandene Unternehmer, die schon viele Krisen gemeistert haben und sich nur schwer die „Blöße“ geben. Sodass ein guter Mediator neben der gebotenen Zurückhaltung, Unparteilichkeit, Selbstbeherrschung, physischen Kondition, Empathie, und Analysefähigkeit, auch ein Gespür für den richtigen Zeitpunkt und die richtigen Leute haben muss. Und, wie Moderator Prof. Mehlhorn ergänzt, er muss üben, üben und nochmals üben, um Erfahrungen und damit auch Menschenkenntnis zu sammeln, um hinter den Taktiken der Parteien, die eigentlichen Ursachen des Konfliktes zu erkennen.

Konflikte können durch Personen und Organisationen verursacht sein und treten überall auf, wo Menschen interagieren. Prof. Biedenkopf beschloss den Abend mit den Worten, dass dieses außerordentlich interessante Programm der DIU sowohl in der öffentlichen als auch in der Privatwirtschaft zum festen Allgemeingut der Unternehmenskultur werden sollte.

Über das Studienprogramm „Wirtschaftsmediation | Verhandlungs- und Konfliktmanagement

Das 9-monatige Programm wird im September 2012 starten. Verteilt auf 14 Wochenenden à 20 Unterrichtseinheiten werden Hochschullehrer, erfahrende Mediatoren aus allen Unternehmensbereichen sowie ausgewiesene Konfliktmanager den rund 15 Teilnehmern in Theorie- und Praxiseinheiten die Themen professionellen Verhandlungs-und Konfliktmanagements sowie Wirtschaftsmediation vermitteln. Weitere Informationen zum Inhalt, zu den Dozenten, zu den Präsenzterminen des ersten Durchgangs sowie zur Anmeldung finden Sie unter http://di-uni.de/index.php?id=452.

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